Darf es etwas mehr sein?

Hallo Ihr Lieben,
gerade denke ich über Geld nach. Es geht doch immer um Geld: Ob Du genug hast, ob Du noch mehr bekommen kannst, ob es überhaupt sinnvoll ist, wenn es doch den Charakter verdirbt?
Ich sage es gleich vorneweg – mein Verhältnis zum Geld ist kein gutes. Geld ist für mich nur Mittel zum Zweck und seit der Erfindung der bunten Plastikkarten wiege ich mich in der trügerischen Sicherheit, dass ich besser damit umgehen kann.
„Über Geld spricht man nicht!“ – tun
wir auch nicht oft, und wenn dann nur im Vertrauen, unter uns. Also, jetzt mal ganz unter uns: Liebst Du Geld? Kannst Du es mit offenen Armen willkommen heissen und es liebevoll in Deiner Geldbörse herumtragen, ohne Dich zu sorgen, dass es Dir im nächsten Shop auf unerklärliche Weise abhanden kommt? Ist das Geld bei Dir auch immer gerade dann woanders zu Besuch, wenn Du es bräuchtest?
Ich habe gelernt, dass man für Geld hart arbeiten muss und man es nicht leichtsinnig und zum Spass ausgeben darf. Die Sache mit dem Geld ist also sehr ernst. Geld macht nur Spass, wenn man mehr davon hat, als man braucht. Denn dann kann man es auch ohne schlechtes Gewissen ausgeben. Und das ist, zumindest bei mir, einer der Knackpunkte: Geld erzeugt bei mir fast immer ein schlechtes Gefühl, ausser dann, wenn mehr als genug da ist. Ich verbinde Geld mit Mangel – was für ein Paradox! Ich weiss ja nicht, wie das bei Dir so ist, ich glaube aber, dass die meisten Leute ein grösseres oder kleineres Problem mit Freundchen Geld haben. Wenn Geld mein Freund wäre, würde es doch, wenn es sich bei mir wohl fühlt, gern länger bleiben, oder? Wenn Geld mein Freund wäre, wäre es doch immer für mich da, wenn ich es brauche, oder? Also ist Geld wohl noch nicht mein Freund, aber das möchte ich gerne ändern – Du auch?
Was also können wir tun, um Geld nicht als treulose Tomate, unliebsamen Störenfried, der uns von unserer Nachtruhe abhält, zu empfinden? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: indem wir es wirklich wie einen guten, liebgewonnenen Freund behandeln. Wenn mein neuer Freund, das Geld, also zu Besuch kommt, freue ich mich schon vorher unbändig darauf und versichere ihm das er sehr willkommen ist! Hast Du das schon einmal getan? Siehst Du, ich auch nicht! Darf mein neuer Freund meine anderen Freunde kennenlernen oder will ich ihn ganz für mich vereinnahmen? Meistens verhalte ich mich ziemlich eifersüchtig und möchte ihn nicht mit anderen teilen. Was wäre, wenn ich das täte? Wenn ich immer dann, wenn ich etwas ausgebe, statt immer nach Schnäppchen und dem günstigsten Preis Ausschau zu halten, einfach mal mehr gebe, als ich eigentlich muss? DAS würde meinem neuen Freund gut gefallen! Er wüsste dann, wie sehr ich ihn wertschätze und achte! Und wie würde ich mich fühlen? Ganz bestimmt großartig! Wenn ich nämlich mehr gebe als erwartet, überrasche ich denjenigen, dem ich Geld geben muss. Ich fühle mich grosszügig! Merkst Du was? Großartig, grosszügig, beides Worte, die mit groß beginnen. Wenn ich mich also groß fühle statt klein (steckt auch in kleinlich und kleinkariert!), dann fühle ich mich gut mit meinem starken Freund an meiner Seite. Wir sind ein Team, halten zusammen wie Pech und Schwefel. Aber ich fühle mich künftig wie die Goldmarie, weil ich etwas Wundervolles geschafft habe: einen Feind zum Freund zu machen.
Vielleicht fragst auch Du morgen: „Darf es etwas mehr sein?“
Auf goldene Zeiten
Eure Ashanar

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