Verantwortung für sich selbst tragen

Hamied

Ihr Lieben,

es ist mitten in der Nacht und draußen stürmt es. Es stürmt auch in unseren Beziehungen, es rüttelt und reisst überall, wo kein solides Fundament angelegt wurde, um Stabilität auch in Krisen zu gewährleisten. Es zeigt sich im Großen wie im Kleinen, im Innen wie im Außen.

Mehr denn je sind wir jetzt gefordert, ganz bewusst zu sein mit unserem Denken und Fühlen. Es ist eine Zeit, in der Unbewusstes an die Oberfläche steigt, in der das, was verdrängt wurde, nicht mehr ungesehen und ungefühlt bleiben kann.

Wir sind alle aufeinander angewiesen und voneinander abhängig. Niemand kann ohne andere Menschen existieren. Und doch bereiten gerade die zwischenmenschlichen Beziehungen oft Schwierigkeiten und Probleme. Es gibt unterschiedliche Meinungen, es gibt Unvereinbarkeiten, es gibt Starrköpfigkeit und Beharren auf die eigene Wahrheit. Und Unverständnis für den anderen und seine Situation. Darauf folgen Aktion und Reaktion. So geraten einstmals liebevolle Beziehungen in große Schwierigkeiten und es scheint keinen Weg zurück mehr zu geben.

Die vielgepriesene Vergebung und das Loslassen ist kaum möglich, da der Schmerz zu tief sitzt. Wir selbst fühlen uns völlig mißverstanden, wollten doch immer nur das Beste. Und doch kam als Ergebnis genau das Gegenteil heraus.

Nun, Ihr Lieben, ich kann Euch einen Schlüssel aufzeigen, der hilft, mit diesen ausweglosen Situation anders umzugehen.

Ihr glaubt, der andere müsste sich anders verhalten, er müsste doch eigentlich verstehen, er müsste wissen, was das Richtige ist. Doch er tut es nicht?

Ihr könnt darauf warten, dass der andere sich ändert. Das wird er nicht tun. Er wird genauso auf seinem Standpunkt beharren wie Ihr, mit dem gleichen Recht.

Wie kommt Ihr also aus dieser Sackgasse wieder heraus?

Indem Ihr die volle Verantwortung übernehmt!

Indem Ihr bejaht, dass Ihr Euren Teil zu dem beigetragen habt, was nun ist. Indem Ihr anerkennt, dass Ihr Schuld habt. Oh ja, nehmt ruhig dieses schwere Wort, anerkennt Eure eigene Schuld! Denn – anstatt dem anderen die Schuld zuzuschieben, müsst Ihr sie selbst tragen. Es ist Eure. Sie gehört Euch. Also nehmt sie zurück, weg vom anderen, wieder zu Euch. Statt mit dem Finger auf die Fehler des anderen zu zeigen, schaut Euch an, worin Euer Fehler lag. Was habt Ihr gesagt oder getan, um es so weit kommen zu lassen?

Ja, ich bin Schuld.

Das tut erst einmal weh. Aber im nächsten Schritt befreit es Euch. Es befreit Euch davon, die absolute Wahrheit zu kennen – auch die des anderen. Es befreit Euch davon, Recht haben zu müssen. Wer Schuld ist, hat nicht recht. Und es führt dazu, dass Ihr WIRKLICH die Verantwortung übernehmt.

In dem Moment, in dem Ihr das eingesteht, verändert sich Euer Blickwinkel. Zwar wird Euer Verstand sofort in die Abwehrposition treten und einwerfen: “ Ja, aber der andere hat dies oder jendes getan oder gesagt. Ihn trifft mehr Schuld als mich. Hätter er….dann wäre das gar nicht passiert.“

Wenn Ihr aber dabei bleibt, die Schuld auf Euch zu nehmen – natürlich nur Eure eigene, nicht die des anderen, setzt sich das Gesetz von Ursache und Wirkung um.

„Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Fühlen, Denken und Handeln“.

Dieser Satz befreit Euch, in dem er den anderen aus der Pflicht entlässt, die verfahrene Situation wieder bereinigen zu müssen. Er ist es nicht mehr allein, der an dem Punkt steht, an dem es kein Zurück mehr gibt.

Indem Du Verantwortung trägst, kannst Du Deine Fehler erkennen, kannst sie einsehen und auch dem anderen gegenüber äußern. Ja, ich habe einen Fehler gemacht. Ich habe Dir weh getan, ich habe Dich nicht verstanden, ich habe nichts dazu getan, um die Situation zu verändern.

Auch nichts zu tun kann ein Fehler sein.

Gestehen wir uns und anderen ein, dass sie Fehler machen. Niemand geht durch sein Leben, ohne auch nur einen einzigen Fehler zu machen.

Jeder Mensch handelt immer in der Situation, in der er sich gerade befindet aus der Gesamtheit seiner Erfahrungen, seines Charakters und seines Entwicklungsstandes heraus. Er tut in dem Moment sein Bestes, zu dem er fähig ist.

Indem wir einander also erlauben, nicht die volle Wahrheit zu kennen, trotzdem aber verantwortlich für uns selbst zu sein, öffnen wir einen neuen Weg der Befreiung aus scheinbar unlösbaren Situationen.

Dann erst ist Loslassen und Vergebung möglich. Dann erst, mit diesem Verständnis und dieser Erkenntnis sind wir in der Lage, uns selbst zu verändern.

Nicht der andere muss das, sondern wir. Wir sind derjenige, der glaubt, für den anderen zu wissen, was richtig und was falsch ist. Doch das tun wir nicht.

Gleiches gilt, wenn wir Menschen helfen. Wir tun dies, weil wir sie lieben, aber auch, weil es ein gutes Gefühl ist. Wir können aber nur helfen, wenn ein anderer Mensch bereit ist für diese Hilfe.

Doch auch dort gilt der Grundsatz der eigenen Verantwortung!

Derjenige, der Hilfe annimmt, folgt Ratschlägen oder nimmt bestimmte Veränderungen vor, aufgrund derer sich dann seine Situation verbessern soll. Die Entscheidung, diese Hilfe anzunehmen und ihr zu folgen liegt aber immer bei demjenigen, der um Rat gefragt hat, nicht bei demjenigen, der ihn gegeben hat.

Verantwortlich ist immer derjenige, der Hilfe annimmt.

Ich finde, es ist ein sehr großes und wichtiges Thema, das auf alle Lebensbereiche zutrifft. Wir selbst tragen Verantwortung dafür, wie unser Leben verläuft. Wir haben uns dafür entschieden, ganz bewusst. Wir haben unseren Teil dazu beigetragen. Wenn wir so wollen, sind wir selbst Schuld an unserer Lage, ob nun positiv oder negativ. Wenn jemand gut da steht, sprechen wir aber nicht von Schuld, sondern davon, dass derjenige Glück gehabt hat – und im anderen Fall davon, dass er Pech hat. Doch das entspricht nicht der Wahrheit. Es ist immer eine Frage der Verantwortung.

Es ist nicht einfach Pech, wenn der Ehemann heimlich eine Affäre beginnt und dann die Frau verlässt. Es ist eine Frage der Schuld. Und zwar beider Schuld. Warum hat sie eine Affäre begonnen? Woran mangelte es ihr in der Beziehung? Warum war die Liebe nicht stark genug, um gegen das Eindringen eines Dritten gefeit zu sein?

Es ist nicht die Schuld eines anderen, wenn man sich bewusst für etwas entschieden hat und sich dann herausstellt, dass das doch nicht richtig war. Es war die eigene Verantwortung.

Verantwortung zu übernehmen macht frei. Es öffnet das Herz für Verständnis für den anderen. Es öffnet für die eigene Veränderung.

Wessen Verantwortung ist es? Die des Patienten, wenn er sich einer riskanten Operation unterzieht, oder die des Arztes, der sie ausführt? Wer hat sich dafür entschieden? Es war der Patient, dem das Risiko bewusst war.

So müssen wir unterscheiden lernen zwischen unserem Teil der Verantwortung für alles, was wir tun und dem Teil der anderen.

Wir können nur das verantwortlich sein, das wir getan haben, aber auch für die Auswirkungen. Wenn uns klar ist, dass alles immer eine Folge hat, dann werden unsere Handlungen anders. Sie werden achtsamer und bedachter.

„…In der Regel wird davon ausgegangen, dass nur eine einzelne Person für ihre Schuld einzustehen hat und ihr die Schuld anderer nicht zurechenbar ist… Schuld ist demnach höchstpersönlich.“

(Wikipedia zum Begriff Schuld)

Wenn ich von Schuld spreche, geht es mir nicht darum, jemanden zu verurteilen, sondern es geht ganz allein darum, den Blick dafür zu öffnen, was aufgrund unseres Tuns entstanden ist.

„Ich übernehme heute ganz bewusst die Verantwortung für alles, was ich in meinem Leben vorfinde. Ich habe mich dafür entschieden. Ich nehme den Teil meiner Schuld auf mich und entlaste den anderen davon. Ich bin bereit, mir diesen Teil anzusehen und anzunehmen. Ich bin für mich verantwortlich in allem, was ich denke, sage und tue und bin mir über die Folgen bewusst.“

Mit dieser Affirmation verändert Ihr Euer Leben, wenn Ihr es wirklich fühlen könnt.

In Liebe,

Eure Ashanar

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